Chronik des Bezirks-Feuerwehrverbandes Landeck

Im Vereinsregister der Bezirkshauptmannschaft Landeck ist im Jahr 1890 die Gründung des Bezirks-Feuerwehrverbandes Landeck eingetragen. Erster Obmann war k.k. Postmeister Josef Müller. Die damals bestehenden Wehren des Bezirkes wurden nach und nach Mitglieder des Verbandes.


In den Folgejahren wurden die Funktionäre jährlich neu gewählt, erst ab 1926 fanden die Wahlen im Fünfjahresrhythmus statt. In den ersten Jahren des vergangenen Jahrhunderts war neben der Anschaffung von bescheidenen Ausrüstungsgegenständen der Abschluss von Versicherungen immer wieder ein Thema. Vor allem ging es um Haftpflicht- und Feuerversicherungen, aber auch gab es die Empfehlung, dass mit Rücksicht auf die Familie jeder Feuerwehrmann der Sterbekasse beitreten solle.


Der erste Großbrand forderte die Wehren des Bezirksverbandes am 15.08.1911, als der Dorfkern von Zams von Flammen zerstört wurde. Elf Wehren des Bezirkes Landeck und der Bezirke Imst und Innsbruck waren dabei im Einsatz. Bereits 1914 waren 31 Feuerwehren Mitglied des Verbandes. Nach dem ersten Weltkrieg bedauerte man den Austritt der Wehren Reschen, Graun und Langtaufers, die lt. Protokoll „den Italienern zum Opfer gefallen sind“.


Die Wirtschaftskrise der 20er Jahre schlug auch auf die Wehren durch. Die galoppierende Inflation bewirkte, dass der Mitgliedsbeitrag der Wehren innerhalb von vier Jahren von 20 Heller auf 3.000 Kronen angehoben wurde, was einer Steigerung auf 15.000% entsprach. Um die Kommunikation der Wehren untereinander im Einsatzfall zu erleichtern regten die Verantwortlichen an, das Staatstelefon gratis benutzen zu dürfen.

Die erste TS für den Bezirk Landeck wurde 1924 angeschafft, damit begann im weitesten Sinn die Motorisierung. Dem Protokollbuch ist auch zu entnehmen, dass der Brauerverband viel Lob bekam, weil er im Brandfalle die Personenbeförderung mit Brauereifahrzeugen bewilligte. Trotz der wirtschaftlichen Lage der 30er Jahre wurden von fast allen Gemeinden Tragkraftspritzen angeschafft.


In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg lag das Hauptaugenmerk auf der Verbesserung der Ausrüstung und Alarmierung und der Neu-organisation der Wehren. Auch auf die Feuerbeschau und somit den Vorbeugenden Brandschutz wurden mehr Augenmerk gelegt.

1952 wurde das Nebellöschverfahren vorgestellt, bei dem ein Druck von 60 – 70 Atü notwendig war. Auch erhielten die Feuerwehren Tempex-Hitzeschutzanzüge, mit denen man „in den Flammen stehend“ arbeiten kann. Die ersten Synthetikschläuche lösten die Hanfschläuche ab.


Ab dem Jahr 1960 wurde qualitativ und quantitativ an der Verbesserung der Ausrüstung und der Ausbildung der Kameraden gearbeitet. Bis 1970 waren bereits 24 Fahrzeuge, 76 TS und 49 Atemschutzgeräte bei den Wehren stationiert. War 1966 das Jahr der  großen Hochwassereinsätze, stand das Jahr 1972 ganz im Zeichen der Großbrände von Ischgl, Fendels, Fiss und Pfunds.

Ein Meilenstein war die Anschaffung einer 30-Meter-Drehleiter, die auf Initiative des Bezirkskommandanten Anton Handle alle Gemeinden des Bezirkes gemeinsam anschafften und die in Landeck stationiert wurde. In dieser Zeit wurde auch schon über ein Tauschsystem für Atemluftflaschen diskutiert.


Ab 1981 war nach Installation von zwei Relaisanlagen die Fixstation „Florian 16“ von jedem Ort des Bezirkes erreichbar. Erstmals wurde auf das Problem aufmerksam gemacht, dass im Bezirk durch die Wehren 30 Tunnelkilometer betreut werden müssen; heute sind es im Bezirk Landeck 72 Kilometer. Da sich herausstellte, dass eine Bergeschere für den ganzen Bezirk Landeck für rasche Hilfe der Betroffenen nicht ausreichte, startete Bezirkskommandant Rudolf Hueber eine Aktion „Bergescheren“. Nach dem Vorbild der Finanzierung der Drehleiter halfen alle Gemeinden mit, dass in jedem Abschnitt eine Bergeschere stationiert werden konnte.

In den aufstrebenden Fremdenverkehrsorten entstand zusehends das Problem, dass durch parkende Autos die Wehren nicht mehr zu den Gebäuden zufahren können. Weitsichtig machte man sich auch Gedanken darüber, dass eine Drehleiter für den Bezirk – auch wegen der Topologie – nicht ausreichend ist und nach längeren Verhandlungen bestellten die Wehren bzw. die Gemeinden von Ischgl, Nauders und St. Anton 18-Meter-Drehleitern. 1985 und 1988 waren in St. Anton und Ischgl Lawinen-katastrophen auch von den Feuerwehren zu bewältigen.


Ab 1990 wurde an der zentralen Alarmierung der Wehren gearbeitet. Der Notruf 122 wird direkt zur Alarmierungszentrale bei der Gendarmerie Landeck umgeleitet. Der diensthabende Beamte löst vom Posten Landeck die Sirene in den betroffenen Gemeinden aus und kann über Funk den Ort des Schadensereignisses mitteilen. Der Bezirks-Feuerwehrverband feiert im gleichen Jahr sein 100-jähriges Bestandsjubiläum mit einem Festakt.

1991 weist der damalige Bezirks-Feuerwehrinspektor Oskar Gstrein darauf hin, dass im Bezirk Landeck mehr Gästebetten als Einwohner sind. Die damit verbundenen Herausforderungen für die Wehren wären besonders hoch. Im darauffolgenden Jahr wurde die Sirenensteuerung für den Bezirk fertiggestellt, somit konnten alle Sirenen von der Gendarmerie ausgelöst werden. Ein Meilenstein für die Feuerwehren war die Errichtung der neuen Atemschutzwerkstätte und die Installation eines Flaschentresors. Dadurch konnten die Wehren jederzeit Atemluftflaschen tauschen.


Im Jahr 1995 wurden aus dem Katastrophenfonds für die Gefahrgutfahrzeuge aufblasbare Dekozelte angeschafft. Der Ausbau der stillen Alarmierung schreitet voran. Der Ausrüstungsstand wird in den folgenden Jahren laufend erneuert, die Gemeinden zeigen sich dafür sehr kooperativ. Nach dem Lawinenunglück von Galtür begann für die Kommunikation unter den Wehren des Bezirkes ein neues Zeitalter. In der Feuerwehrhalle in Landeck wurde eine Bezirkszentrale geplant und errichtet, die alle Wehren des Bezirkes bei Einsätzen unterstützen wird.

Die Arbeit in den Jugendgruppen des Bezirkes wird immer intensiver und macht sich bei der Überstellung in den aktiven Dienst bemerkbar. Bestens ausgebildeter Nachwuchs kommt in den Wehren zum Einsatz. Ein Qualitätssprung in der Ausbildung der Kameraden und Kameradinnen war die Eröffnung der neuen Landes-Feuerwehrschule in Telfs.


Der Bezirk Landeck stellt für die Wehren eine besondere Herausforderung dar. Einerseits ist vor allem im Winter wegen der zahlreichen Gästebetten eine Verdoppelung der Einwohner zu verzeichnen, andererseits es der Bezirk mit den meisten Tunnelkilometern österreichweit.

Durch zahlreiche Übungen und auch die Bereitschaft der öffentlichen Hand in das Feuerwehrwesen zu investieren können diese Herausforderungen angenommen werden.

Extreme Wetterlagen, wie zB die Hochwassersituation von 2005 oder die Lawinenkatastrophe von Galtür (1999) stellen die Wehren immer wieder vor Herausforderungen. Die Bewältigung dieser Großschadensereignisse ermöglichen es aber auch, dass die Wehren Erfahrungen sammeln und professionell diese Einsätze abarbeiten. Die technischen Voraussetzungen dazu sind vorhanden.

Durch ständiges Üben werden die Wehren des Bezirkes auch weiterhin für die Sicherheit der Bewohner und Gäste ihr Bestes geben.